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Predigtarchiv

 
 

                                                               

                              Das große Gastmahl

                                          Predigt über Lukas 14,16-24

                                              Puerto Cruz, 25.6.2017

 

Liebe Schwestern und Brüder,

„Stellt euch vor“, sagt Jesus, „jemand hat ein großes Fest vorbereitet und viele dazu eingeladen. Er hat einen Saal gemietet, Essen und Getränke bestellt, eine Kapelle engagiert. Und dann sagen nach und nach alle Gäste ab. Der eine hat beruflich zu tun, der Zweite will in den Urlaub fahren, der Dritte muss mal wieder in Familie machen.

Was tut man dann? Wahrscheinlich lässt man das Fest ausfallen oder man verschiebt es zumindest. Aber eins ist auch klar: diese Leute wird man so schnell nicht wieder einladen.

So wie diesem Gastgeber, sagt Jesus, geht es Gott. Er hat ein großes Fest vorbereitet und hat viele eingeladen. Aber die Gäste sind nicht gekommen. Sie hatten was Besseres zu tun. Was tut Gott daraufhin? Er lässt das Fest nicht ausfallen, sondern lädt neue Gäste ein, „von den Hecken und Zäunen“. Von der Straße, Menschen, die gar nicht erwartet hatten, eingeladen zu werden.

Ich kann mir vorstellen, dass viele sagen oder zumindest heimlich denken: Ich weiß schon, worauf das hinausläuft. Dieses Fest ist natürlich der Gottesdienst, und der Pastor beschwert sich darüber, dass so wenig Menschen zum Gottesdienst kommen. Aber darum geht es nicht. In den Gottesdienst kommen mal mehr und mal weniger, je nach Saison. Aber das Fest, von dem Jesus spricht, ist weitaus mehr als nur der Sonntagsgottesdienst, und der Festsaal ist nicht die Kirche, sondern die ganze Welt. Es ist das Fest des Glaubens, zu dem wir eingeladen sind, zum Leben im Glauben.

Und da ist es tatsächlich erstaunlich, wie viele Menschen diese Einladung ablehnen. Wenn man nachfragt, werden viele Gründe genannt: Ich bin zu beschäftigt, am Sonntag treibe ich Sport, am Wochenende will ich mit der Familie zusammen sein), aber eigentliche Grund liegt tiefer. Er liegt schlicht darin, dass wir zumindest in Westeuropa in einer säkularen Gesellschaft leben, in einer weltlichen Umgebung, in der Gott und der Glaube immer weniger Bedeutung haben, jedenfalls was den christlichen Teil der Gesellschaft betrifft (oder sagen wir, dem westlich geprägten Teil).

Weil es eben dem Zeitgeist entspricht. Weil es Mode ist, nicht zu glauben. Weil die Wissenschaft ja längst ohne Gott auskommt. Weil das Weltbild heute nicht mehr von der Kirche oder der Schule geprägt wird, sondern vom Fernsehen und vom Internet, und weil das Paradies nicht mehr im Jenseits liegt, sondern an den Sandstränden, zu denen man mit dem Traumschiff fährt.

Nun leben wir ja hier an den Sandstränden. Und es ist durchaus nichts dagegen zu sagen, wenn man sich am Leben freut. Das Problem ist nur, dass eine Gesellschaft nicht auf Dauer von leichter Unterhaltung und gut gefüllten Kühlschränken allein leben kann. Dass sie etwas braucht, was sie zusammenhält, was ihr einen Sinn gibt und ein Ziel. Und da gibt es leider auf dem Markt der Sinnanbieter viele Konkurrenten, und manche von ihnen führen in die Irre, manche sind sogar gefährlich.

Etwa eine Gesellschaft, die nur nach dem Motto lebt „Ich will Spaß“ und ständig auf der Suche nach Schnäppchen ist. Das wird auf Dauer schal. Und dann schlägt das schnell um, und plötzlich werden „höhere Ideen“ wichtig, wie die Nation oder die Rasse oder eine Gruppe, in der man auch mal seine Aggressionen los wir, und sei es nur als Hooligan beim Fußball. Ich glaube, dass viele Jüngere sich schlicht deswegen radikalisieren, viel unsere Spaßgesellschaft so langweilig ist und sie so wenig fordert, sowenig Ideale gibt, dass sogar eine Fußballmannschaft Gegenstand der Anbetung wird.

Und richtig gefährlich wird es da, wo es wirklich um Glauben geht, um Religion. Und wir werden in Europa in den nächsten Jahrzehnten eine Auseinandersetzung über religiöse Fragen haben, ob wir wollen oder nicht. Denn der Islam ist tatsächlich Teil Europas und wird auch in Westeuropa zunehmend Bedeutung bekommen, allein schon aus Gründen der Bevölkerungsentwicklung. Und ich will gleich deutlich sagen: das heißt nicht, dass ich Flüchtlinge mit muslimischem Hintergrund aussperren will. Sie haben das Recht auf Asyl, wenn sie verfolgt werden. Das ist uns von der Verfassung vorgegeben, und diese Verfassung beruht auf christlichen und humanistischen Werten. Das sind aber Werte, für die man auch eintreten muss, weil sie längst nicht für alle selbstverständlich sind.

Und ich bin fest davon überzeugt, dass die große Mehrzahl der Muslime friedlich denkt und die Gewalt ablehnt, die von ein paar radikalislamischen Gruppen ausgeübt wird. Aber eins ist auch klar: sie bringen auch Traditionen ins Land, die unseren Traditionen widersprechen und die vieles gefährden, was wir in einer wechselvollen Geschichte in Europa erkämpft haben. Übrigens auch und ganz wesentlich in der Reformation. Eins davon ist Religionsfreiheit, und das heißt: dass ich wegen meines Glaubens oder Nichtglaubens nicht verfolgt oder benachteiligt werden darf. Was in anderen Regionen der Welt durchaus nicht selbstverständlich ist. Ein Anderes ist die Gleichberechtigung der Frauen, die bei uns selbst bestimmen dürfen, wie sie sich anziehen. Die sogar Auto fahren dürfen, das ist nicht überall so. Und es ist mir auch wichtig, dass mir niemand vorschreibt, was ich esse und wann ich bete. Dass ich also frei von religiösen Gesetzen bin, und das ist durchaus nicht selbstverständlich. Das ist ein christlicher Grundsatz, der uns so selbstverständlich erscheint, dass wir gar nicht mehr merken, dass es in anderen Kulturen anders aussieht.

Wohin führt uns das? Es führt uns nicht dazu, dass wir andere Religionen ablehnen oder aussperren, gerade das ist mit unseren christlichen Werten nicht vereinbar.

Aber wir werden nach unserem Glauben gefragt. Wir müssen uns auseinandersetzen mit anderen Glaubens- und Lebensvorstellungen. Und da reicht diese schlappe von Liberalität nicht aus, mit der man alle Arten von Religion für gleich gültig hält und damit auch für gleichgültig hält. Nach dem Motto: „Wir haben ja alle den gleichen Gott.“ Natürlich haben wir den gleichen Gott, es gibt ja nur einen. Aber es gibt sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie er aussieht und was er von uns erwartet, und die führen zu sehr unterschiedlichen Verhaltensweisen.

Wir müssen uns einsetzen für unsere Glaubensvorstellungen und unsere Wertvorstellungen. Wir müssen Stellung beziehen im Gespräch, sonst glaubt man, wir hätten nichts zu sagen. Dazu wäre es gut, sich zu informieren über unsere Geschichte und wie sie vom Christentum geprägt wurde. Und dazu wäre es auch gut, wenn diejenigen, die zur Kirche gehören, sich etwas mehr als kirchenzugehörig zeigen würden. Ich weiß, dass ich das hier den Falschen sage, denn Sie sind ja hier in der Kirche, aber regen Sie doch mal im Bekanntenkreis an, die Kirche und die Gemeinde mal wieder kennenzulernen, dann stellt man vielleicht auch fest, dass sich die alten Vorurteile gar nicht halten lassen, die man seit der Konfirmationszeit in sich trägt.

„Geht an die Hecken und Zäune“, heißt es in unserem Predigttext. Also: holt die Leute ab, die draußen stehen. Ladet sie ein, doch mal reinzuschauen. Macht ihnen klar, dass es ihre Werte sind, um die es hier geht, und dass man zu seinen Werten stehen muss! Einer der Kirchenvorsteher aus meiner früheren Gemeinde in Braunschweig pflegte am Ende des Gottesdienstes zu an der Kirchentür zu sagen: „Sie betreten nun das Missionsgebiet.“

Wir haben hier in dieser Gemeinde die großartige Gelegenheit, Menschen aus allen Teilen Deutschlands und der Schweiz und aus Österreich kennenzulernen und anzusprechen, manchmal wenige, manchmal ist die Kirche auch gut gefüllt, je nach Saison. Das ist eine gute Gelegenheit, sich auszutauschen und Gemeinschaft zu pflegen; und ich habe hier sehr gern Gottesdienst gehalten und gepredigt. Ich will aber auch sagen: Ich habe es immer mit Hintergedanken getan. Es ging gar nicht nur um Sie und Euch, die hier in der Kirche sitzen. Ihr seid gar nicht die Endverbraucher, ihr seid die Zwischenhändler. Die Multiplikatoren, die etwas weitergeben. Ich erwarte nicht, dass nun alle genau das wiederholen, was ich gesagt habe. Aber ich möchte doch einen Anstoß geben, sich wieder einmal mit dem Glauben zu beschäftigen und auch darüber zu reden.

In einer der Auferstehungsgeschichten sind zwei Jünger unterwegs in das Dorf Emmaus und treffen dabei einen geheimnisvollen Fremden, der sie eine Zeitlang begleitet. Und erst als er schon wieder weg ist, erkennen sie ihn und sagen: „Brannte nicht unser Herz, als er mit uns redete?“ Fühlen wir doch mal nach: Brennt es noch, unser Herz? Gibt es etwas, was uns wichtig und heilig ist und was wir auf keinen Fall verlieren wollen?

Wenn es so ist, dann sollten wir es nicht verschweigen, dann sollten wir versuchen, auch andere anzustecken.

Amen.                                                                              hb

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 
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